Der Gebäudebestand rückt zunehmend in den Mittelpunkt der Planung. Energieeffizienz, graue Emissionen und knappe Flächen sprechen dafür, vorhandene Bauten konstruktiv weiterzunutzen, statt sie zu ersetzen. Für Architekten und Tragwerksplaner stellt sich in diesem Kontext die Frage, wie sich bestehende Tragstrukturen sanieren, ergänzen oder überbauen lassen, ohne deren statische und konstruktive Grenzen zu überschreiten. Im Bestand zählt jedes Kilogramm und viele ältere Gebäude sind nicht auf zusätzliche Lasten ausgelegt oder nur eingeschränkt nachweisbar.
Chance für tragende Sanierungen
Hier setzt Kerto LVL von Metsä Wood als industriell gefertigtes Furnierschichtholz an. Es verbindet ein geringes Eigengewicht mit hoher Tragfähigkeit und Steifigkeit, sodass Decken und Dachtragwerke mit schlanken Querschnitten realisiert werden können, die vorhandene Fundamente und Stützen vergleichsweise wenig beanspruchen. Geschossdecken lassen sich ertüchtigen, indem neue Träger und Platten aufliegend integriert werden. Schwache Holz- oder Stahlprofile können ersetzt werden, ohne das Eigengewicht deutlich zu erhöhen. Gleichzeitig ermöglichen die schlanken Querschnitte größere Spannweiten bei geringer Bauhöhe – ein Vorteil insbesondere in Bestandsräumen mit begrenzter lichter Höhe. Auf diese Weise entstehen Tragstrukturen, die sich konstruktiv in das bestehende System einfügen und dessen Charakter respektieren, statt ihn zu überformen.
Aufstockung: Verdichtung auf vorhandenen Fundamenten
Besonders deutlich wird das Potenzial im Bereich der Aufstockung. Zusätzliche Geschosse im innerstädtischen Kontext oder auf sensiblen Bestandsbauten verlangen nach leichten Konstruktionen, klar definierten Lastpfaden und einem Bauablauf, der den laufenden Betrieb nur begrenzt stört. Kerto LVL eignet sich hier für vorgefertigte Decken- und Wandelemente, die auf bestehende Stützen- und Fundamentstrukturen aufgesetzt werden können. Die Kombination aus schlanken Trägern und flächigen Platten erlaubt tragfähige, vibrationsarme Deckenkonstruktionen, die sowohl in reinen Holzbauten als auch in Holz-Stahl-Hybriden funktionieren. Übergänge zwischen vorhandenen Decken und neuer Holzkonstruktion lassen sich konstruktiv so ausbilden, dass Lasten geordnet in den Bestand eingeleitet werden, ohne umfangreiche Verstärkungsmaßnahmen im Unterbau auszulösen. Für die Planung eröffnet dies Spielräume, zusätzliche Wohn- oder Nutzflächen zu schaffen, ohne den Bestand vollständig neu denken zu müssen.
Dach- und Hallensanierung mit großen Spannweiten
Viele Sanierungsprojekte konzentrieren sich auf Dächer und große Innenräume: Bäder, Hallen, Gewerbebauten oder Bildungseinrichtungen benötigen weit gespannte Tragwerke, die sich in vorhandene Mauerwerks- oder Stahlbetonstrukturen einbinden lassen. Kerto LVL kommt hier als Träger, Hohlkastenelement oder Platte zum Einsatz. Geschädigte Dachtragwerke können durch neue Binder und Träger ersetzt werden, die dank des hohen E-Moduls auch bei größeren Spannweiten mit moderaten Querschnitten auskommen. Großformatige Dach- und Deckenelemente lassen sich mit hohem Vorfertigungsgrad herstellen und auf der Baustelle in kurzer Zeit montieren. In feuchte- oder chemisch belasteten Bereichen, in denen Stahl einem erhöhten Korrosionsrisiko ausgesetzt ist, bietet der Holzwerkstoff zudem eine korrosionsfreie Alternative. Die Maßhaltigkeit und Formstabilität der industriell gefertigten Elemente erleichtert es, sie in komplexe Geometrien einzupassen und an begrenzte Anschlusspunkte im Bestand anzubinden.
Vorfertigung als Schlüssel im laufenden Betrieb
Sanierungen im Bestand finden häufig unter Nutzung statt: Hochschulen, Bäder, Schulen oder Wohnanlagen können meist nur abschnittsweise gesperrt werden. Bauabläufe müssen daher präzise getaktet sein, Eingriffszeiten kurz, Logistik und Krannutzung klar definiert. Kerto LVL unterstützt solche Prozesse durch einen hohen Vorfertigungsgrad. Träger- und Plattenelemente werden werkseitig passgenau auf die geprüften Bestandsmaße abgestimmt, inklusive Aussparungen und Anschlussdetails. Auf der Baustelle beschränkt sich die Arbeit weitgehend auf Montagevorgänge, was die Eingriffszeit reduziert und den Bedarf an Lagerflächen verringert, da die Elemente just in time angeliefert und direkt versetzt werden können. Damit lassen sich statische Eingriffe – etwa der Austausch kompletter Wand- oder Dachelemente – in Bauphasen organisieren, in denen das Gebäude temporär über alternative Lastpfade gesichert ist. Für die Planung bedeutet dies, dass Standsicherheit, Witterungsschutz und Aufrechterhaltung der Nutzung in klar strukturierten Sequenzen miteinander vereinbart werden können. Weiterer Aspekt: Kerto LVL besteht aus nordischer Fichte, ist wasserfest verklebt und bleibt auch nach vollständiger Durchfeuchtung formstabil. Nach der Rücktrocknung kann die nächste Bauteilschicht ohne Einschränkungen aufgebracht werden. Gerade bei unvorhersehbaren Sanierungs- und Umbaumaßnahmen bietet dies zusätzliche Sicherheit: Ist die Kerto LVL Oberfläche wieder trocken, kann einfach weitergebaut werden.
Sanierung als Weiterbauen in der Struktur
Sanieren im Holzbau heißt heute mehr, als nur schadhafte Bauteile zu ersetzen. Es geht darum, bestehende Strukturen konstruktiv weiterzudenken und gleichzeitig die architektonische Identität zu bewahren. Kerto LVL bietet hierfür eine Kombination aus geringem Gewicht, Tragfähigkeit, Maßhaltigkeit und Vorfertigungsfähigkeit, die gerade im Bestand wirksam wird. So lässt sich der Holzbedarf mit Kerto LVL im Vergleich zu Brettschichtholz (BSH/GL) oder Konstruktionsvollholz (KVH) um rund 25 bis 35 Prozent reduzieren – bei gleicher Tragfähigkeit und Leistung. Dies beschleunigt den Bauablauf, vereinfacht die Logistik und Montage auf der Baustelle sowie den manuellen Transport der Elemente und ermöglicht in vielen Fällen den Einsatz kürzerer Verbindungsmittel. Gleichzeitig bieten die Paneele einen hohen Grad an Maßflexibilität. „Dies ist ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal in diesem Materialspektrum. Plattenstärken von beispielsweise 27, 39 oder 45 Millimetern sind in dieser Form nur bei Metsä Wood als kundenspezifisch konfigurierte Lösung erhältlich“, erklärt Moritz Burk, Sales Manager Kerto LVL bei Metsä Wood.
Ob Aufstockung, Erneuerung von Dachtragwerken oder Ertüchtigung bestehender Decken: Der Werkstoff ermöglicht es, vorhandene Bausubstanz gezielt zu ergänzen und zu transformieren, ohne sie zu negieren. Für Architekten und Ingenieure entsteht damit ein Werkzeug, das gestalterische Kontinuität und konstruktive Erneuerung verbindet.
